Rastlos Presse-Echo ZURÜCK
Nordkurier, Neubrandenburg · 14.03.2012, von Mitarbeiterin Anne-Marie Maaß Dass man auch im Alter keine neue Technik scheuen muss, beweist die Video-Gruppe „Rastlos“ mit ihren Filmen. Neubrandenburg.Der Erfolg ist ein Motor, aber auch die Freude am Filmen, die die „Rastlosen“ antreibt. 20 ältere Menschen trafen sich im Jaanuar 1997 im Seniorenbüro mit dem Ziel Filme zu drehen. Nach einem Jahr blieben noch drei ihrem Hobby treu. Mit der Zeit wuchs die Gruppe lange Zeit auf fünf und letztendlich auf elf Filmbegeisterte an. Bereits ihr erster Film „Älter werden in Neubrandenburg – Gemeinsam nicht einsam“ feierte in vollem Haus Premiere.                                                                         Die Erinnerung an die Anfänge lassen die Rentner noch heute                                                                         über sich selbst staunen. Seine Augen glänzen, wenn der                                                                         passionierte Hobbyfilmer Siegfried Franke anfängt zu erzählen. Er füllt den Kellerraum der Volkshochschule mit seinen Anek- doten und Geschichten aus der Video- Gruppe. Die Räume der Medienwerkstatt sind dem pensionierten Mathematik- und Physiklehrer vertraut geworden in den letzten Jahren. Die rast- losen Rentner feiern am 15. März bereits ihr 15-jähriges Beste- hen im Latücht.                                                                         Die Feier geht im geschlossenen Rahmen mit gleich zwei Premieren einher. „Rastlos um den Tollensesee“ und ein Film über den Maler Walter Gotsmann werden vorgestellt. Aber auch ältere Werke sollen gezeigt werden, an die sich die Gruppe besonders gerne erinnert. So der musikalische Kurzbeitrag „Et liggt een See“ , der als Andenken an die rüstige Chordame Ilse Münkner entstanden war. Mit einem Lächeln berichtet Franke über die Umstände beim Filmdreh. Über eine Woche habe man damals für den Schnitt des 3,5-minütigen Films gebraucht. Während Franke redet, sitzen zwei seiner Weggefährten neben ihm. Klaus Göttsche, der Mann an der Kamera, nickt immer wieder ruhig. Er ist von Anfang an dabei. Josef Wiesner, der für den Schnitt zuständig ist, hört gespannt zu. Franke erzählt begeistert von jedem Film, den die Gruppe gedreht hat. Der 75 -jährige ist seit dem ersten Film dabei. Seine Aufgabe stand für die anderen Mitglieder sofort fest. „Du warst doch Lehrer. Also musst du auch schreiben können. So einfach haben wir uns das damals vor- gestellt“, erzählt er kopfschüttelnd. Dabei geblieben ist er trotzdem, als Drehbuchautor und Regisseur. Mit der Zeit sind aus den Anfängern professionelle Filmer geworden. In dem Team hat jeder seine feste Aufgabe. Die zehn Männer und eine Frau treffen sich jeden Donnerstag in der Medienwerkstatt. Nach ihrem laienhaften Beginn erlangten die filmenden Rentner im Alter von 62 bis 79 Jahren bald Bekanntheit rund um die Viertorestadt. Auftragsproduktionen und Filmpreise folgten. Durch Fördergelder finanziert bekamen sie sogar Wochenendkurse für Schnitt, Ton und Film. „Wir haben ja praktisch angefangen. Die theoretische Basis wurde uns erst später vermittelt. Das war ein großer Schritt für unsere Filme“, erklärt Franke. Stolz blicken sie nun auf die vergangenen Jahre zurück, in denen für sie auch im Alter technische Neuerungen eine Herausforderung waren. Auch stilistisch folgte die Entwicklung. „Am Anfang haben wir Landschaftsfilme gedreht und Reportagen. Jetzt trauen wir uns eine große Band- breite zu. Von lyrischen Filmen bis hin zu Portraits haben wir keine Berührungsängste mehr“, sagt Franke. Thematisch sind sich die Rentner treu geblieben. Das Leben im Alter bewegt sie von Beginn an. Engagiert beschäftigen sie sich auch mit dem Leben von Menschen mit Behinderung. „André – ein Leben mit Handicap“ ist ein Resultat hieraus. Die regionale Verbundenheit ist ebenfalls noch vorhanden. Als Dreh- und Angelpunkt ihrer meisten Filme liegt die Viertorestadt ihnen am Herzen. So entstand der Film über Walter Gotsmann eher aus einem Zufall heraus. „Bei den Dreharbeiten zu ,Rastlos um den Tollensesee‘ entdeckten wir einen Gedenkstein. Da wir mit dem Namen nicht viel anfangen konnten, hat ein Teil unserer Gruppe weiter recherchiert und den Film abgedreht“, erklärt Franke. Traurig mache sie nur, dass sie ihre neuen Filme nicht mehr im Latücht der Öffentlichkeit präsentieren können. „Notgedrungen sind wir nach und nach auf soziale Einrichtungen ausgewichen, um unsere Filme auch einem Publikum anbieten zu können“, erklärt Siegfried Franke. Schuld sei der Trägerwechsel im Latücht. Seitdem müsse der Video-Club für die Vorführung der Filme Miete zahlen.